Ein Trainer ist ein Mensch, der sein Brot im Schweiße eines
fremden Angesichts verdient!”
Diese Beschreibung von Martin Lauer, einem berühmten deutschen Leichathleten,
wird der Arbeit eines Übungsleiters, Trainers und Coaches nicht ganz gerecht, vor
allem im Jugendbereich.
Die Bereitschaft, Schweiß zu vergießen, hat nämlich in den letzten Jahren
erheblich nachgelassen. Die Generation der “Fun-Sportarten” hat so ihre
Probleme mit konzentriertem Üben und körperlicher Anstrengung.
Viele haben zum Tennissport auch keine Beziehung.
Waren früher 9 von 10 Schülern die Kinder von tennisspielenden Eltern, ist das
Verhältnis heute umgekehrt: 90% kommen aus Familien, in denen Tennis keine
Rolle spielt.
Dadurch sind die Anfporderungen an die Trainer enorm gewachsen. Jeder dieser
“externen” Schüler bringt eine bestimmte, natürlich auch altersgemäße, aber
vielleicht nicht exakt zu erfüllende Erwartungshaltung mit.
Viele sind zum Beispiel erstaunt, wie anstrengend “richtiges” Tennis ist. Viele
Eltern haben keine Vorstellung davon, wie anspruchsvoll und schwierig der
Lernprozess in der Sportart Tennis ist.
Das ist allerdings gleichzeitig auch die Stärke von Tennis, denn, hat man erst
einmal den Einstieg geschafft, wird es niemals langweilig und hat, wie viele
Dinge, die man sich hart erarbeiten muss, einen hohen erzieherischen und
charakterbildenden Wert!
Die “Coaches” sind gefordert, für jeden Schüler die richtige Methode zu finden,
ihn zu motivieren und weiterzubringen. Gleichzeitig müssen sie den
Zusammenhalt und die Disziplin in der Gruppe fördern, den Wettkampfgedanken
vermitteln und natürlich die schwierige Schlagtechnik schulen.
Das ist wahrlich keine einfache Aufgabe.
Wer einen Trainer einmal mit einer richtigen “Rasselbande” auf dem Platz
gesehen hat, kann ermessen, dass das zwar ein Job ist, der Spaß macht, der
aber wie in der Schule oder im Kindergarten den “ganzen Mann” oder die “ganze
Frau” fordert!
Im Mannschaftsbereich kommt dann noch die hohe und nicht zu unterschätzende
psychische Anforderung an den einzelnen dazu, die zwangsläufig entsteht bei
einem Wettkampf “Mann gegen Mann”, bei dem es keine Unentschieden, sondern
nur Sieger oder Verlierer gibt! Das ist eine für manchen harte, aber wertvolle
Schule, und letztendlich auch ein bisschen Training für das “Leben da draußen”.
In den Lehrmethoden des Tennis hat sich natürlich im Zusammenhang mit den
gesellschaftlichen Veränderungen einiges getan.
Genau wie in der Schule muss der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die
Schüler selbständiger und fordernder sind als früher, ohne dass dabei die
persönliche Autorität des Lehrers oder Trainers aufs Spiel gesetzt wird.
Das spielerische Element einer Tennisstunde ist sehr viel wichtiger geworden.
Das ist eine Entwicklung, die dem Spiel- und Wettkampfgedanken des Tennis
absolut entspricht (Tennis ist eine “Spielsportart”) und der deshalb einige kluge
und langjährige Trainer schon immer Rechnung tragen.
Die Coaches bei 1817 haben jedenfalls seit jeher versucht, ihre Übungen in
Spielformen “an den Schüler zu bringen”, schon zu Zeiten, als die Aktion
“Play+Stay” im Deutschen Tennis Bund noch in ferner Zukunft lag und die
meisten Trainer ihre Schüler noch mit “Übungen aus dem Eimer” langweilten.
Mit “Play+Stay”, inzwischen auch von der ITF
(”International Tennis Federation”) unterstützt, wurde
eine weltweite Aktion ins Leben gerufen, die es sich
zum Ziel setzt, die komplizierte Technik des
Tennissports “spielerisch” zu vermitteln. Nachdem
Schüler jahrelang überall auf der Welt (aber ganz
besonders in Deutschland, wo es mancherorts immer
noch der Fall ist) mit langweiligen Technik- übungen
aus dem Stand gequält wurden, hat sich endlich die
Erkenntnis durchgesetzt, dass man komplizierte
Dinge am besten so lernt, wie es Kinder
natürlicherweise tun - nämlich im Spiel. Und das gilt auch für Erwachsene. Mit
Hilfe von speziellen Schlägern und sogenannten “Leichtspielbällen”, die
inzwischen von der Tennisindustrie angeboten werden, sollen Schüler vom ersten
Moment an Ballwechsel spielen können, und das ist es, worum es im Tennis
letztendlich geht.
Für uns 1817 Trainer ist das nichts neues, wir denken: da hätte man auch früher
drauf kommen können...!
Volker Wiegand, Cheftrainer 1817 Tennis
gegründet 1930
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